Archive for April, 2008

Stasi 3.0

27. April 2008

Lehn den Kopf weit ins Genick
Auf den Mund, ja, so ist’s schick
Keine Angst, es tut nicht weh
Wenn ich mit dem Schlauch reingeh

Durch die Schleimhaut einen Stich
Spürst du einen Druck?
Das ist die Cam, mit welcher ich
In dein Gehirn reinguck

Probier doch nicht, jetzt nicht zu denken
Ich steck in deinem Sinn
Du kannst Gedankenwerke nicht beschränken
Ich bin schon mitten drin

Ich spiele jetzt Erinnerung
Auf meinen Groß-PC
Sie dienen nur der Sicherung
Auf dass sie nie vergeh

Dein Wissen wird hier archiviert
Menschheitswissen aufpoliert
Marx wird so perfekt geschliffen
Denn dein Kopf wird aufgegriffen

Und im Rollstuhl jauchzt der Mann
Weil er alles sehen kann
Alles, was du je getan
Schaut er durch in seinem Wahn

Beim allerkleinsten bösen Zeichen
Lässt er dir die Ketten reichen
Quält und foltert ganz formell
Du bist gefährlich – potentiell!

Kuchen suchen

22. April 2008

Auf dem Markt
Auf der Jagd
Kuchen suchen
Erdbeerkuchen
Schubsen, drängeln
Leise quängeln
Keinen finden
Durch Menschen winden
Leise fluchen
Hektisch fragen
Scheiße sagen
Brauche Kuchen
Für die Feier
Keine Eier
Und kein Mehl
Brüll-Befehl:
Kuchen her!
Kriege Kuchen
Muss nicht mehr suchen
War das so schwer?

BBQ

11. April 2008

Es war beim letzten Barbecue
Wir saßen froh beisammen
Die Ulli, Christian, Mary-Lou
Und ich, dicht bei den Flammen

In bester Lagerfeuertradition
Hockten wir im Garten
Das Essen war verköstigt schon
Und Ulli holte Karten

Wir scherzten ihr noch hinterher
Sie solle sich beeilen
Sie rief vom Haus, der Schrank sei leer
Das warn die letzten Zeilen

Denn dann ein dumpfes Schlagen
Christian stürzte auf
Doch meine Beine lagen
Im Weg, in Christians Lauf

So fiel er in die Funken
Entflammte höllenhell
Im Feuersturm versunken
Schrie laut, schlug um sich schnell

Dabei sprang ein Funke rüber
In den Ligusterstrauch
Mary-Lou schmiss Erde über
Den Busch (auf Christian auch)

Doch warf sie allzu wild
Ihr flog Sand ins Gesicht
Das war ein irres Bild
Das gibt’s all’ Tage nicht

Ich wühlte rasch in meiner Tasche
Zu suchen nach dem Knipseding
Und stieß dabei an eine Flasche
Die zischend in das Feuer ging

Der Alkohol im Flaschenbauch
Entflammplodierte laut
Und neben großen Schwaden Rauch
Flog Feuer auf Lous Haut

So brannte nun auch Mary-Lou
(Vergessen war der Sand)
Als ich direkt bei meinem Schuh
Die Digicam vorfand

Christian regte sich nicht mehr
Als ich die Bilder schoss
Auch Lou bewegte sich nicht sehr
Als ich bald Wasser auf sie goss

Seitdem hält man mich für gestört
Drum sitz ich auch in Haft
Doch was für Bilder! Staunet, hört!
Das wurd noch nie geschafft!

Ach: Ulli war vom Stuhl gekippt
Wollt auf dem Schrank die Karten suchen
Ausversehn zurückgewippt
Noch nicht mal Zeit zum panisch Fluchen

Morgendlicher Kampf

6. April 2008

Volle Blase, schwerer Kopf
Lieg ich in meinem Bett
Ich müsste dringend auf den Topf
Doch hier ist es so nett

Gerade eben aufgewacht
Kurz vor halbe zehn
Nach dieser Pipi-bunker-Nacht
Muss ich jetzt wohl gehn

Willichnich, verdammnochmal!
Mein Hirn noch weich wie Brei
Die Beine raus… Hab ich ne Wahl…?
Oh, holder Schlaf… Vorbei…

Ins Licht

2. April 2008

Ein Mann steht stumm am Straßenrand
Schaut links, schaut rechts, ist blind
Ein Stock ruht fest in seiner Hand
Er hört ein Blatt im Wind

Der Mann hört’s wispern, hört es passen
Macht einen kleinen Schritt
Setzt Füße auf den nassen
Asphalt, ein dunkler Tritt

Die Sohlen spüren Steine
Ein kleiner Stich im Fuß
Wo er ist weiß er alleine
Er hebt den Arm zum Gruß

Er winkt der schwarzen Welt
Begrüßt den kalten Stern
Die Hand, die den Stab hält
Gehorcht nur ihrem Herrn

Das Licht schreit in den Ohren
Ein jäher Sturm kommt auf
Die Hand vorm Aug erfroren
Sieht er des Lebens Lauf

Ein Blitz fährt durch die Kronen
Das Land ist öd und kahl
Der Mann durft sich belohnen
Ist fort nach seiner Wahl