Archive for August, 2008

Der Goldadler

30. August 2008

In alten, legendären Zeiten
Konnt man noch auf Zentauren reiten
Mit Kieseln nach den Greifen schmeißen
Und Feen an den Flügeln reißen

In diesen lang vergangnen Tagen
Der Mythen, Fabeln und der Sagen
Wurd, als Uranus bei Merkur stand
Ein Tier geborn im goldnen Land

Ein Adler, mächtig, groß und stolz
Das Federkleid wie Ebenholz
Die Augen brannten hell und klar
Ein Tier, wie nie zuvor eins war

Sein Laster trieb es durch das Land
Der Drang nach teurem, funkelnd Tand
Silber, Gold, Rubin, Saphir
Befeuerten die wilde Gier

Aus jedem königlich Palast
Stahl er an Schmuck die größte Last
Die tragen konnte sein Gefieder
Und wenn mehr da war, kam er wieder

Im Lauf der Jahre trug er Schätze
Zu vielen hundert sichren Plätze
Hoch in den Bergen quer im Land
Wo nie ein Mensch sie jemals fand

Eins dieser Nester voll Begehr
Mit Thronen, Zeptern und viel mehr
Von großem monetären Reiz
Befindet sich heut in der Schweiz

Rettungsflug

24. August 2008

Achim steht auf seinen Füßen
Die Hände wild am Leute-Grüßen
- In dem Moment, als er schon glaubte
Dass es ihm das Leben raubte
Wurd er noch ein Mal bewahrt
- (“Nächstes Mal gleich Autofahrt…”) -:

Geröll, so laut wie Donnerzorn
Brach losgelöst vom Matterhorn
Doch just bevors sie überrollt
Packt das Tier mit Sinn für Gold
Den armen Achim am Schlafitt
Und nahm ihn fliegend mit sich mit

Sie flogen weit und mit viel Zack
(Ohmächtig Achim, wie ein Sack)
Und irgendwann, auf einer Wiese
Hat der sanfte Vogelriese
Ins Gras den Achim abgelegt
Und ist allein davongefegt

Achim kam bald zu sich wieder
Voll von Schrecken noch die Glieder
Doch schnell darauf kam ihm der Plan:
“Als Anhalter nach Roma fahrn!”
Drum suchte er ein Stück Asphalt
Fortuna weiß, er fand es bald

Falltrunken

22. August 2008

Im freien Fall aus Adlerklauen
Konnt Achim kurz nach unten schauen
Doch dann war er gelandet schon
Mit seinem Kopf auf einem Thron

Er schlief zwei, vielleicht drei Stunden
(Von Lauf und Flug zerschunden)
Wacht auf mit einem Matschehirn
Fasst schielend sich an seine Stirn
Erprobt die Arm, die Beine
Erkennt: “Es fehlen keine.”
Spuckt eine Münze (“Schderling!”)
Sieht einen großen Sperling
Denkt sich nichts dabei
Hört einen leisen Schrei
Kratzt sich verwirrt die Nase
Erkennt: “Es drückt die Blase.”
Schwankt müde durch den Schmuck
Will ablassen den Druck
Findet einen Baum
Sieht statt der Blätter Flaum
Hört einen lauten Schrei
Denkt sich nichts dabei
Öffnet seinen Knopf
Kriegt was an den Kopf
Fällt um, sieht einen Schnabel
Spürt einen Druck am Nabel
Erkennt: “Es ist ne Kralle.”
Spürt edele Metalle
Spürt, wie ihn Kronen kneifen
Und fängt an zu begreifen

Achim war nun wach
Schlug mit dem Vogel Krach
Sie schrien beide munter
Bis dass Geröll kam runter

Ruhetag

20. August 2008

Die Bäurin lag in ihren Kissen
Wecker an die Wand geschmissen
Entschlossen, heut nicht aufzustehen:
“Soll doch jemand anders gehen
Und die Bauernhof-Arbeiten tun!
Ich, ich werde heute ruhn!”

Inzwischen war es schon halb acht
Und sie hatt keinen Schritt gemacht
Der Zeitplan ging schon in die Brüche -
“Ab zu den Eiern, Kühen, Küche!”

Der Bauer war hineingerannt
Die Lage blitzesschnell erkannt
Und brüllte nun wie wild drauf los
(“Was macht die Alte denn da bloß?”)

Die Bäurin winkte lässig ab:
“Jaja, Papperlapapp.
Ich will nicht. Hab frei.
Brauchst Hilfe? Frag Kai.”

“Kai hat selbst Arbeit, das weißt du genau!
Steh endlich auf und tu was, Frau!”
Ergriff sie hart an Fuß und Hand
Und riss sie aus dem Federland

Dabei stieß sie sich hart den Kopf
Am Bein vom Bett (jetzt Blut am Schopf)
Nicht zärtlich auf die Füß gestellt
“Ich glaub ich… hab den Kopf geprellt…”

“Jaja, is gut, los, an den Herd!”
Hat der Bauer sie belehrt
“So, mein Schatzi, mach mir Speck”
Noch zuckersüß, dann ging er weg

Die Bäuerin war sehr verdutzt
Und als sie Speck sucht wurd gestutzt
“Zeitung könnte ich mal lesen”
Schnappte sich den Reisigbesen

Damit und blubbernd wie ein Fisch
Setzte sie sich an den Tisch
Hat die Zeitung aufgeschlagen
Ließ sich von den Zeilen tragen

Und im Gehirn, dem ganz frisch kranken
Las sie “Mag es auch scheinen, dass Sie schwanken…”

Umlaufbahnen

17. August 2008

Stella war nicht glänzend drauf
Lief kleine Kreise (“grummel”, “schnauf”)
Im Teppich sah man schon die Spur
“Himmel, nee, was denkt der nur!”

Vor einer Stund am Telefon:

“Frau Schütze, nun, Sie wissens schon
Es kann echt nicht so bleiben
Mit dem, was Sie da schreiben.
Den ganzen Mist mit Sterne
Liest eh schon niemand gerne.
Doch das, was Sie – nein, echt.
Das druck ich nicht. Zu schlecht.
Brauch tolle Formulierungen!
Brauch lyrische Verzierungen!
Sie können ruhig beteuern -
Nein, echt nicht. Werd Sie feuern.”

Eine Chance gab er ihr noch -
“Gelacht! Ein Witz! Dem zeig ichs doch!”
Und irgendwann beim Bahnenziehen
Hat sie dann jauchzend aufgeschrien:

“Ich habs!
So klappts!”

Sie setzte sich und nahm Papier
Sie schrieb drauf los, besessen schier
Sie schrieb ins Horoskop für morgen:
“Machen Sie sich keine Sorgen! …”

Adlerflug

15. August 2008

Achim schaut erstaunt umher
Was zur Hölle, wie, wo, wer?
Grad selig noch gedacht an Frauen
Jetzt hängt er schon in Riesenklauen

Der schwarze Adler, mächtig groß
Hält Achim fest wie einen Kloß
Von dem ganz sacht die Soße tropft
Und leise auf den Teller klopft

Das merkt auch Achim, und er denkt
“Ob der mich wohl dem Kindlein schenkt?
Nem Riesenküken, fett und nackt
Das mich dann auseinanderhackt?”

Nicht glücklich über den Gedanken
Fängt Achim heftig an zu schwanken
Probiert sich zappelnd loszureißen
(“Nicht mich dem Kind zum Fraß hinschmeißen!”)

Doch schnell merkt er, das ist recht dumm
Fliegt er doch sehr weit oben rum
Hört deshalb auf (“Ich möchte nicht
Wie Spatzi klatschen aufs Gesicht”)

Erstarrt in leichter Furcht vor Höhe
Fliegt er (wie’n Kloß) von Bö zu Böe
Und bald wirft er den ersten Blick
Zum Adlerhorst – “Wow, der ist schick!”

Das Nest ist voll von goldnem Schmuck
Doch während Achim staunt, ein Ruck
“Huch, Adlerchen mich nicht mehr hält
Daraus ergibt sich -” – Achim fällt

Bergwanderung

13. August 2008

Achim ging mit müden Schritten
Gen Italien (suchte Titten)
Zuhaus hatt das nicht gut geklappt
Sein Spätzchen war vom Dach geflappt

Ihm hätte man die Schuld gegeben
Er fürchtete gar um sein Leben
Drum hatte er Reißaus genommen
War bis zur Schweiz nun schon gekommen

Und es trugen ihn die Zehen
Die Straßen rauf (sich schleppend gehen)
Ermüdend graue Pflastersteine
Harte Schultern, steife Beine

Die Berge himmelhoch errichtet
Schrecklich Stein auf Stein geschichtet
Steigungen von zig Prozent
Er wünschte sich, er wär Clark Kent

Einfach in den Süden fliegen
Ruckzuck jedes Mädchen kriegen
(“Die solln da heiß und feurig sein!”
Hatt Achim einst gehört vom Hein)

Achim blieb zum Test mal stehen
Die Arm ausbreiten, könnt das gehen?
Sie zeigten einen weiten Bogen
Da kam ein Riesentier geflogen
Packte Achim (ruck!) am Kragen
Und hat ihn fliegend weggetragen

Ein Unfall

10. August 2008

Droben auf dem Scheunendach
Stand die Bäurin und schlug Krach
Heute steht sie gar nicht mehr
Sie liegt im Grab, die Augen leer

In der BILD (sehr exklusiv)
Steht ganz genau wie es verlief:

Der Achim kam zu später Stunde
Gelockt zum Hofe von der Kunde
Man könne unter Röcke blicken
Da musst man ihn nicht zwei Mal schicken!

Um Achim rum war alles laut
Jeder brüllte, jeder schaut
Gen Dach, auf dem die Bäurin stand
Und niemand schaute an die Wand

Nur Achim sah sofort die Leiter
Wollt dicht zum Rocke, höher, weiter
“Mein Vögelchen, ich komm zu dir
Flieg bloß nicht weg, du bist nur mir!”

Und während er auf Sprossen klomm
Ging Bäurins Augen auf, lammfromm
“Ein Vögelchen”, durch Lippen drang
Die Welt stand still (kurz) als sie sprang

Im anschließenden Großtumult
(“Der Psychofritz, der hat die Schuld!”)
Schlich Achim still und leise weg
(“Ach je, das Pflaster, was ein Dreck!”)

Den Seelendoc hat man erstochen
Ist noch ein Stück durchs Gras gekrochen
Als seine Unschuld man erkannt
War Achim schon weit weggerannt

Standhaft

8. August 2008

Droben auf dem Scheunendach
Steht die Bäurin und macht Krach
Auf einem Bein hält sie Balance
Die Augen zu, ist wie in Trance

Im Horoskop stand heute Morgen:

“Machen Sie sich keine Sorgen!
Mag es auch scheinen, dass Sie schwanken
Sind es nicht Sie, sind es die Planken!
Die Welt um Sie wird heftig toben
Drum steigen Sie ein Stück nach oben
Strecken Sie ein Bein ins Licht
Was geschehn wird Ihnen nicht
Freuen Sie sich um den Tag
Sie stehen, was auch kommen mag!”

Von unten schaut der halbe Ort
Der Seelendoc ist auch schon dort
Erzählt ihr was von Pflastersteinen
Bringt kleine Kinder so zum Weinen

Alte Mütter stöhnend klagen
Manche Leut nach Limo fragen
Der Bauer ruft sie sei plemplem
Doch sie singt Stand von R.E.M.