Archive for January, 2009

Regenbogenwesen

30. January 2009

In lenzend milder Abendluft
Vor Ritterburge “Felsenkluft”
Ruht leis ein Tier, das niemand kennt
Weshalb man kopflos Kreise rennt

Steht in der Luft, ist nicht am Grund
Hat Schuppen, glänzend schön und rund
Und Federn hat das Wesen auch
An Flügeln und am dicken Bauch

Der lange Schweif, am Ende spitz
Strahlt Farbenpracht ins Antelitz
Und aus dem Schnabel, gelb und lang
Kommt grauer Qualm wie Schaf und Schlang

Kein Ritter kennt ein solches Tier
Ist es Gefahr? Ist es von hier?
Erst der Gelehrte Armengart
Streicht sich den weißen Rauschebart

Kein Schwertstreich dieser Kreatur!
Sie bringt das Glück in Haus und Flur!
Denn dieses seltne Federvieh
Ist nichts sonst als ein Drachibri

Höllentrip

22. January 2009

Ich grüße Sie herzlich, Sie Herren und Damen
Und jauchze vor Freude, dass Sie so viel kamen
Denn hier in den “Hallen der ewigen Flammen”
Verbringt man die Zeiten am liebsten zusammen

Sie können mich nennen, so ganz im Vertrauen
Nur “Herr” oder “Satan”, das müssen wir schauen
Doch eins soll’n Sie wissen, d’raus mach ich kein’ Hehl:
Was ich Ihnen sage, das ist hier Befehl

D’rum lassen Sie also mit zügigem Schritte
Uns gehen zum Becken da vorn in der Mitte
Das zeige ich Ihnen, damit Sie gleich wissen:
Wer Mist baut hier unten, wird da reingeschmissen

Das ist kein Vergnügen, die Lava ist heiß
D’rum rate ich dringend: Macht bloß keinen Scheiß
Sonst schwimmt ihr bei achthundert Grad ein paar Jahr’
Mit Nase nach unten ganz wie ein Kalmar

Doch Schluss dem Formalen und Kopf hoch zum Licht -
- Ach nein, ich vergaß glatt, das gibt es hier nicht
Zumindest die Sonne wird hier nicht gesehen
Weil wir so tief unten auf Fackellicht stehen

Wo war ich gleich wieder?, ach ja, hier ist’s fein
Wenn man sich gewöhnt hat ans dauernde Schrei’n
Das kommt von den “Fefeus”, doch hat man ja Zeit
Zum G’wöhnen daran, und zwar “Ewigkeit”

Denn ich will’s schnell beichten als Ihr schickes Sal:
Sie kommen nie raus hier, da gibt’s keine Wahl
Wer erst einmal da ist, der bleibt auch für immer
- Doch ich sag ganz ehrlich: Der Himmel ist schlimmer

So sei’n Sie nicht traurig, es gibt viel zu sehen
- Da hinten zum Beispiel, seh’n Sie die da stehen?
Den Judas, den Saddam und Rexi, den Lumpen
Der schreit manchmal “Hossa” beim Spirituspumpen

Und nun – großer Gott ach, was seh ich denn bloß?
Das kann doch nicht angeh’n – die Hölle ist los!
Was macht dieser Kerl da mit Feuerwehrjacke?
Das gibt es doch echt nicht, der haut auf die Kacke!

Na dem werd ich’s zeigen, ich sag’s euch, na wart’! -
- Ab jetzt ist Ihr Führer der Herr mit dem Bart
Er wird Sie gleich weisen zu Ihren Quartieren -
- Bis bald, liebe Leute, haha, und nicht frieren!

Dreiviertel

9. January 2009

Im Saal rollt der Tango durch schwimmende Lampen
Die ganze Gesellschaft fliegt über die Rampen
Die Band spielt ein Liedchen mit Zack und mit Schuss
Und Männlein gibt Weiblein parkettlich den Kuss

Ein Kampf zwischen Erde und Luft und Dorant
Ist unter den Füßen um Sterne entbrannt
Die ganze Welt dreht sich und niemand dreht mit
Denn alles wogt gegen mit dreifachem Schritt

Die Bretter erbeben und Klackerdiklack
Zersplittert auf manch einer Diele der Lack
Ein Feuer entfacht sich und wird nicht verbrennen
Bevor sich die Lichter am Himmel selbst kennen

Revoluform

4. January 2009

BÜROARBEITER

Ein Jemand schaut zum Fenster raus
Hinab zum Hinterhof vom Haus
Dort an der Wand steh’n graue Leute
Davor die grimm’ge Menschenmeute

ABTEILUNGSLEITER

Ein jeder trägt ein kleines Schild
Mit dicken Lettern und mit Bild
Der Mob erwartet stumm den Sieg
Vom großen deutschen Ämterkrieg

PARAGRAPHENREITER

FRITZ GRAF merkt auf, will vor Gericht
In FRITZ GRAFs Augen fehlt das Licht
Dann angelegt, gezielt, erschossen
Das Volk hat das Büro geschlossen