Archive for the ‘Der Dachfallzyklus’ Category

Entscheidungsprobleme

26. October 2008

Brokkoli und Räucherfisch
Honiggläser auf dem Tisch
Äpfel und Tomatenhaufen
“Himmel je, was soll ich kaufen?”

Der Bauer und die Marktkaufstände
- Ersterer ringt seine Hände
Das letzte Mal war er wohl hier
Vor knapp zwei Jahren? Drei? Gar vier?

“Also ähm, ich kauf dann jetzt…”
- Geseufzt und auf ne Bank gesetzt
So geht das nicht, was denkt die sich?
“Is doch mal ernsthaft lächerlich…”

Der müde Blick streift hübsche Blumen
Die Tauben neben Brötchenkrumen
Aufschnitt fein und Käse rund
Und Pitti, rennend, offner Mund

“Bauer, Bauer, komm schnell mit!”
Schweiß strömt von dem Köpfchen – Pit:
“Deine Frau steht auf dem Dach
Und macht die ganzen Nachbarn wach!”

“Was zum Himmel!”, brüllt, springt, schnauft
“Hätt se lieber eingekauft!”
“Der Ollen werd ich was vertellen!”
Und stampft nach Pitti zu den Ställen

Marktgang

24. October 2008

Wenig nach dem Morgengrauen
Geht Kai mit Lust zu seinen Sauen
Vorbei an Hühnern und dem Schaf
Mit lockrem Gang (die Nacht viel Schlaf)

“Meine Herrn, welch schöner Tag.
Ganz genau, wie ich es mag.”
Vorbei auch an der Kühe Stall
Am Zaun entlang – huch, Stiefelhall?

“Hallo Nachbar, feiner Morgen!
- Man, guckst ja so, als hättste Sorgen?”
Tatsächlich, Nachbars Züge sind aschgrau
“Moin Kai, schon gut, is nur mien Frau…”

“Was los, mien Freund? Habt doch kein Streit?”
“Nee nee, Kai, du, hab grad kein Zeit.
Muss in die Stadt, sie will heut nich.
Was soll ich tun – muss eben ich…”

“Alls kloar, na denn, das geht vorbei”
Lacht Kai, “Brauch wohl ma frei.”
“Jo jo, ja nu, nur miene Frau…
Die meinte schon, dass… Ach, wurscht. Tschau.”

Kai lacht wie ein alter Hund
Winkt noch mal, wischt sich den Mund
Nimmt den Eimer mit dem Futter
Und hustet grienend “…bald in Butter”

Ein zweiter Unfall

6. September 2008

Durch Luca schießt Adrenalin
Er fährt die Strecke Rom – Turin
Schon fast am Zielort angekommen
Der Weg im Mondlicht leicht verschwommen
Der Fuß klebt fest am Gaspedal
Die Fahrbahn vor ihm frei und kahl
Bei eins neun null der Tachopfeil
Der Blick starrwach und tempogeil
Der Mund verzogen wie beim Pfeifen
Die Augen heiß am Mittelstreifen
Urplötzlich was am Sichtfeldrand
Die Augen zuckend hingewandt
Ein Mann hüpft irr in Lucas Spur
Mit schmutzigwilder Zausfrisur
Ne Feder sich ins Haar gesteckt
Abgerissen und verdreckt
Grinsend und bekloppt am Winken
Als wär er knapp vor dem Ertrinken
Luca reißt das Steuer rum
“Mio Dio, ist der dumm?!”

Kurz später kommt ein nächster Wagen
Sieht Luca sich vom Wrack wegtragen
Ruft handymäßig Ambulanz
- Achim ist schon weg. Weit. Ganz.

Der Goldadler

30. August 2008

In alten, legendären Zeiten
Konnt man noch auf Zentauren reiten
Mit Kieseln nach den Greifen schmeißen
Und Feen an den Flügeln reißen

In diesen lang vergangnen Tagen
Der Mythen, Fabeln und der Sagen
Wurd, als Uranus bei Merkur stand
Ein Tier geborn im goldnen Land

Ein Adler, mächtig, groß und stolz
Das Federkleid wie Ebenholz
Die Augen brannten hell und klar
Ein Tier, wie nie zuvor eins war

Sein Laster trieb es durch das Land
Der Drang nach teurem, funkelnd Tand
Silber, Gold, Rubin, Saphir
Befeuerten die wilde Gier

Aus jedem königlich Palast
Stahl er an Schmuck die größte Last
Die tragen konnte sein Gefieder
Und wenn mehr da war, kam er wieder

Im Lauf der Jahre trug er Schätze
Zu vielen hundert sichren Plätze
Hoch in den Bergen quer im Land
Wo nie ein Mensch sie jemals fand

Eins dieser Nester voll Begehr
Mit Thronen, Zeptern und viel mehr
Von großem monetären Reiz
Befindet sich heut in der Schweiz

Rettungsflug

24. August 2008

Achim steht auf seinen Füßen
Die Hände wild am Leute-Grüßen
- In dem Moment, als er schon glaubte
Dass es ihm das Leben raubte
Wurd er noch ein Mal bewahrt
- (“Nächstes Mal gleich Autofahrt…”) -:

Geröll, so laut wie Donnerzorn
Brach losgelöst vom Matterhorn
Doch just bevors sie überrollt
Packt das Tier mit Sinn für Gold
Den armen Achim am Schlafitt
Und nahm ihn fliegend mit sich mit

Sie flogen weit und mit viel Zack
(Ohmächtig Achim, wie ein Sack)
Und irgendwann, auf einer Wiese
Hat der sanfte Vogelriese
Ins Gras den Achim abgelegt
Und ist allein davongefegt

Achim kam bald zu sich wieder
Voll von Schrecken noch die Glieder
Doch schnell darauf kam ihm der Plan:
“Als Anhalter nach Roma fahrn!”
Drum suchte er ein Stück Asphalt
Fortuna weiß, er fand es bald

Falltrunken

22. August 2008

Im freien Fall aus Adlerklauen
Konnt Achim kurz nach unten schauen
Doch dann war er gelandet schon
Mit seinem Kopf auf einem Thron

Er schlief zwei, vielleicht drei Stunden
(Von Lauf und Flug zerschunden)
Wacht auf mit einem Matschehirn
Fasst schielend sich an seine Stirn
Erprobt die Arm, die Beine
Erkennt: “Es fehlen keine.”
Spuckt eine Münze (“Schderling!”)
Sieht einen großen Sperling
Denkt sich nichts dabei
Hört einen leisen Schrei
Kratzt sich verwirrt die Nase
Erkennt: “Es drückt die Blase.”
Schwankt müde durch den Schmuck
Will ablassen den Druck
Findet einen Baum
Sieht statt der Blätter Flaum
Hört einen lauten Schrei
Denkt sich nichts dabei
Öffnet seinen Knopf
Kriegt was an den Kopf
Fällt um, sieht einen Schnabel
Spürt einen Druck am Nabel
Erkennt: “Es ist ne Kralle.”
Spürt edele Metalle
Spürt, wie ihn Kronen kneifen
Und fängt an zu begreifen

Achim war nun wach
Schlug mit dem Vogel Krach
Sie schrien beide munter
Bis dass Geröll kam runter

Ruhetag

20. August 2008

Die Bäurin lag in ihren Kissen
Wecker an die Wand geschmissen
Entschlossen, heut nicht aufzustehen:
“Soll doch jemand anders gehen
Und die Bauernhof-Arbeiten tun!
Ich, ich werde heute ruhn!”

Inzwischen war es schon halb acht
Und sie hatt keinen Schritt gemacht
Der Zeitplan ging schon in die Brüche -
“Ab zu den Eiern, Kühen, Küche!”

Der Bauer war hineingerannt
Die Lage blitzesschnell erkannt
Und brüllte nun wie wild drauf los
(“Was macht die Alte denn da bloß?”)

Die Bäurin winkte lässig ab:
“Jaja, Papperlapapp.
Ich will nicht. Hab frei.
Brauchst Hilfe? Frag Kai.”

“Kai hat selbst Arbeit, das weißt du genau!
Steh endlich auf und tu was, Frau!”
Ergriff sie hart an Fuß und Hand
Und riss sie aus dem Federland

Dabei stieß sie sich hart den Kopf
Am Bein vom Bett (jetzt Blut am Schopf)
Nicht zärtlich auf die Füß gestellt
“Ich glaub ich… hab den Kopf geprellt…”

“Jaja, is gut, los, an den Herd!”
Hat der Bauer sie belehrt
“So, mein Schatzi, mach mir Speck”
Noch zuckersüß, dann ging er weg

Die Bäuerin war sehr verdutzt
Und als sie Speck sucht wurd gestutzt
“Zeitung könnte ich mal lesen”
Schnappte sich den Reisigbesen

Damit und blubbernd wie ein Fisch
Setzte sie sich an den Tisch
Hat die Zeitung aufgeschlagen
Ließ sich von den Zeilen tragen

Und im Gehirn, dem ganz frisch kranken
Las sie “Mag es auch scheinen, dass Sie schwanken…”

Umlaufbahnen

17. August 2008

Stella war nicht glänzend drauf
Lief kleine Kreise (“grummel”, “schnauf”)
Im Teppich sah man schon die Spur
“Himmel, nee, was denkt der nur!”

Vor einer Stund am Telefon:

“Frau Schütze, nun, Sie wissens schon
Es kann echt nicht so bleiben
Mit dem, was Sie da schreiben.
Den ganzen Mist mit Sterne
Liest eh schon niemand gerne.
Doch das, was Sie – nein, echt.
Das druck ich nicht. Zu schlecht.
Brauch tolle Formulierungen!
Brauch lyrische Verzierungen!
Sie können ruhig beteuern -
Nein, echt nicht. Werd Sie feuern.”

Eine Chance gab er ihr noch -
“Gelacht! Ein Witz! Dem zeig ichs doch!”
Und irgendwann beim Bahnenziehen
Hat sie dann jauchzend aufgeschrien:

“Ich habs!
So klappts!”

Sie setzte sich und nahm Papier
Sie schrieb drauf los, besessen schier
Sie schrieb ins Horoskop für morgen:
“Machen Sie sich keine Sorgen! …”

Adlerflug

15. August 2008

Achim schaut erstaunt umher
Was zur Hölle, wie, wo, wer?
Grad selig noch gedacht an Frauen
Jetzt hängt er schon in Riesenklauen

Der schwarze Adler, mächtig groß
Hält Achim fest wie einen Kloß
Von dem ganz sacht die Soße tropft
Und leise auf den Teller klopft

Das merkt auch Achim, und er denkt
“Ob der mich wohl dem Kindlein schenkt?
Nem Riesenküken, fett und nackt
Das mich dann auseinanderhackt?”

Nicht glücklich über den Gedanken
Fängt Achim heftig an zu schwanken
Probiert sich zappelnd loszureißen
(“Nicht mich dem Kind zum Fraß hinschmeißen!”)

Doch schnell merkt er, das ist recht dumm
Fliegt er doch sehr weit oben rum
Hört deshalb auf (“Ich möchte nicht
Wie Spatzi klatschen aufs Gesicht”)

Erstarrt in leichter Furcht vor Höhe
Fliegt er (wie’n Kloß) von Bö zu Böe
Und bald wirft er den ersten Blick
Zum Adlerhorst – “Wow, der ist schick!”

Das Nest ist voll von goldnem Schmuck
Doch während Achim staunt, ein Ruck
“Huch, Adlerchen mich nicht mehr hält
Daraus ergibt sich -” – Achim fällt

Bergwanderung

13. August 2008

Achim ging mit müden Schritten
Gen Italien (suchte Titten)
Zuhaus hatt das nicht gut geklappt
Sein Spätzchen war vom Dach geflappt

Ihm hätte man die Schuld gegeben
Er fürchtete gar um sein Leben
Drum hatte er Reißaus genommen
War bis zur Schweiz nun schon gekommen

Und es trugen ihn die Zehen
Die Straßen rauf (sich schleppend gehen)
Ermüdend graue Pflastersteine
Harte Schultern, steife Beine

Die Berge himmelhoch errichtet
Schrecklich Stein auf Stein geschichtet
Steigungen von zig Prozent
Er wünschte sich, er wär Clark Kent

Einfach in den Süden fliegen
Ruckzuck jedes Mädchen kriegen
(“Die solln da heiß und feurig sein!”
Hatt Achim einst gehört vom Hein)

Achim blieb zum Test mal stehen
Die Arm ausbreiten, könnt das gehen?
Sie zeigten einen weiten Bogen
Da kam ein Riesentier geflogen
Packte Achim (ruck!) am Kragen
Und hat ihn fliegend weggetragen