Die Gedanken sind frei

1. March 2009 by Dresi

Der Mensch stellt nicht selten sehr seltsame Sachen
Im Geiste sich vor mal zu tun und zu machen.
Ich weiß aus Erfahrung sehr gut von den Dingen,
Die dann ungerufen aus Hirnfalten dringen.
So kam mir erst neulich beim müßigen Warten
Auf’s Taxi der Einfall, die Katze zu braten,
Die nachts immer gegen die Schlafzimmerscheibe
Die Pfote schlägt und auch den Kopf und den Leibe.
Das stört mich beim Ruhen und ich kann schon sagen,
Dass mir dieser Stress wohl auch drückt auf den Magen.
Nun hab ich gegrübelt in Schweiß und in Tränen,
In nächtlichem Wachen und täglich Migränen.
Und das, was bei rauskam, bei all den Gedanken,
Lässt mir doch mein Selbstbild ein klein wenig schwanken.
Das Tier, dieses arme, ergreifen, erstechen,
Skalpieren, zerstückeln, die Knochen zerbrechen?
Dann würzen und braten und essen und schmatzen
Und nie mehr geweckt sein von klopfenden Katzen?
Entsetzlich und grausam mit Blut und Organen,
Geschliffen und planvoll fast wie in Romanen!
Ein schreckliches Fest voller Toter und Leichen
Und giftigen Gasen, die Körpern entweichen!
Wie stinkende Kerker und Foltrer mit Glatze
Kam mir dieser Plan mit der bratenden Katze!
Und in dem Momentchen, als ich diesen dachte,
Fand ich ihn gerissen, ich gluckste und lachte!
Ich suchte im Sinn meine Töpfe und Pfannen,
Ich sah deutlich vor mir, wie Säfte gerannen,
Wie Blasen zerplatzten und Fasern zerfielen
Und fühlte Verlangen, mit Messern zu spielen.
Ich wollte – - Doch eigentlich sind solche Sachen
Nur Kopfkram und würd ich ja nie wirklich machen…

Leos Moderne Fabel

26. February 2009 by Dresi

Leo Löwe brüllte gerne
Nachts in Richtung heller Sterne
Denn er hielt sie für die Zähne
Einer großen Nachthyäne

Dieses störte die Primaten
Und Reptilien, kann man raten
Mangels Schlafes tagens müde
Waren sie zu Wärtern rüde

Was effektens störte diese
- Man rief aus die “Leo-Krise”
Und verlegte den nach drinnen
Um die Ruh zurückzuwinnen

Doch der Leo, ein Halunke
Reckte nur die Löwenflunke
Brüllte gegen die Laterne
Als Ersatz-Hyänen-Sterne

Um die Lösung für das Übel
Gab es intensiv Gegrübel
Und am Ende wurd beschlossen
“Leo Löw wird abgeschossen”

Doch weil das nicht rechtens war
Wurde Leo bald ein Star
Im gesamten Zeitungswesen
Konnt man nur noch “Leo” lesen

Also wurde umgeschmissen
Zoodirektor: “Drauf geschissen”
Leo kam in Schloss und Riegel
Und die Box verschloss ein Siegel

Denn man fuhr ihn mit dem Kahn
Nach Afrika in wilde Bahn
- Und die Moral von der Geschicht:
Nach Hause führt so manches Licht

Sommerromantik

19. February 2009 by Dresi

Obgleich ein warmer Sommerregen
Leise an das Fenster klopfet

Drauß’ der gold’nen Sonne wegen
Buntes Licht vom Himmel tropfet

Und ein weicher Duft von Rosen
Durch das Zimmer perlt wie Tau

Pennt mein Schatz in Unterhosen
Auf dem Sofa vor’m TV

Lenzensang

16. February 2009 by Dresi

Süßmosthymne

10. February 2009 by Dresi

Oh du gold’ne Fruchtesträne
Du mein liebster Trinkgenuss
Wie der Götter Lustfontäne
Gibst du mir den Zuckerkuss

Rieselst über meine Lippen
Sinnig kühl und heiß zugleich
Ich will deiner ewig nippen
Bist so vitaminenreich

Ström durch meinen Hals wie Funken
Du schaffst das, was niemand schafft
Machst mich nach dir schier betrunken
Komm in mich, oh Apfelsaft

Nussrätsel

3. February 2009 by Dresi

Die Kokosnuss, das weiß man wohl,
Ist außen hart und innen hohl.
Doch schaut man mal genauer hin,
Fragt man sich bald nach ihrem Sinn.

Ist fest wie Stein, doch hat sie Fell;
Rund wie der Mond, doch nicht so hell;
In ihr ist Milch wie von der Kuh,
Doch macht die Kokosnuss nicht “Muh”.

Man fragt sich nun, was ist sie nur,
Mal abgeseh’n von aufgeh-stur?
Und irgendwann kommt man zum Schluss:
Das ist echt eine harte Nuss!

Regenbogenwesen

30. January 2009 by Dresi

In lenzend milder Abendluft
Vor Ritterburge “Felsenkluft”
Ruht leis ein Tier, das niemand kennt
Weshalb man kopflos Kreise rennt

Steht in der Luft, ist nicht am Grund
Hat Schuppen, glänzend schön und rund
Und Federn hat das Wesen auch
An Flügeln und am dicken Bauch

Der lange Schweif, am Ende spitz
Strahlt Farbenpracht ins Antelitz
Und aus dem Schnabel, gelb und lang
Kommt grauer Qualm wie Schaf und Schlang

Kein Ritter kennt ein solches Tier
Ist es Gefahr? Ist es von hier?
Erst der Gelehrte Armengart
Streicht sich den weißen Rauschebart

Kein Schwertstreich dieser Kreatur!
Sie bringt das Glück in Haus und Flur!
Denn dieses seltne Federvieh
Ist nichts sonst als ein Drachibri

Höllentrip

22. January 2009 by Dresi

Ich grüße Sie herzlich, Sie Herren und Damen
Und jauchze vor Freude, dass Sie so viel kamen
Denn hier in den “Hallen der ewigen Flammen”
Verbringt man die Zeiten am liebsten zusammen

Sie können mich nennen, so ganz im Vertrauen
Nur “Herr” oder “Satan”, das müssen wir schauen
Doch eins soll’n Sie wissen, d’raus mach ich kein’ Hehl:
Was ich Ihnen sage, das ist hier Befehl

D’rum lassen Sie also mit zügigem Schritte
Uns gehen zum Becken da vorn in der Mitte
Das zeige ich Ihnen, damit Sie gleich wissen:
Wer Mist baut hier unten, wird da reingeschmissen

Das ist kein Vergnügen, die Lava ist heiß
D’rum rate ich dringend: Macht bloß keinen Scheiß
Sonst schwimmt ihr bei achthundert Grad ein paar Jahr’
Mit Nase nach unten ganz wie ein Kalmar

Doch Schluss dem Formalen und Kopf hoch zum Licht -
- Ach nein, ich vergaß glatt, das gibt es hier nicht
Zumindest die Sonne wird hier nicht gesehen
Weil wir so tief unten auf Fackellicht stehen

Wo war ich gleich wieder?, ach ja, hier ist’s fein
Wenn man sich gewöhnt hat ans dauernde Schrei’n
Das kommt von den “Fefeus”, doch hat man ja Zeit
Zum G’wöhnen daran, und zwar “Ewigkeit”

Denn ich will’s schnell beichten als Ihr schickes Sal:
Sie kommen nie raus hier, da gibt’s keine Wahl
Wer erst einmal da ist, der bleibt auch für immer
- Doch ich sag ganz ehrlich: Der Himmel ist schlimmer

So sei’n Sie nicht traurig, es gibt viel zu sehen
- Da hinten zum Beispiel, seh’n Sie die da stehen?
Den Judas, den Saddam und Rexi, den Lumpen
Der schreit manchmal “Hossa” beim Spirituspumpen

Und nun – großer Gott ach, was seh ich denn bloß?
Das kann doch nicht angeh’n – die Hölle ist los!
Was macht dieser Kerl da mit Feuerwehrjacke?
Das gibt es doch echt nicht, der haut auf die Kacke!

Na dem werd ich’s zeigen, ich sag’s euch, na wart’! -
- Ab jetzt ist Ihr Führer der Herr mit dem Bart
Er wird Sie gleich weisen zu Ihren Quartieren -
- Bis bald, liebe Leute, haha, und nicht frieren!

Dreiviertel

9. January 2009 by Dresi

Im Saal rollt der Tango durch schwimmende Lampen
Die ganze Gesellschaft fliegt über die Rampen
Die Band spielt ein Liedchen mit Zack und mit Schuss
Und Männlein gibt Weiblein parkettlich den Kuss

Ein Kampf zwischen Erde und Luft und Dorant
Ist unter den Füßen um Sterne entbrannt
Die ganze Welt dreht sich und niemand dreht mit
Denn alles wogt gegen mit dreifachem Schritt

Die Bretter erbeben und Klackerdiklack
Zersplittert auf manch einer Diele der Lack
Ein Feuer entfacht sich und wird nicht verbrennen
Bevor sich die Lichter am Himmel selbst kennen

Revoluform

4. January 2009 by Dresi

BÜROARBEITER

Ein Jemand schaut zum Fenster raus
Hinab zum Hinterhof vom Haus
Dort an der Wand steh’n graue Leute
Davor die grimm’ge Menschenmeute

ABTEILUNGSLEITER

Ein jeder trägt ein kleines Schild
Mit dicken Lettern und mit Bild
Der Mob erwartet stumm den Sieg
Vom großen deutschen Ämterkrieg

PARAGRAPHENREITER

FRITZ GRAF merkt auf, will vor Gericht
In FRITZ GRAFs Augen fehlt das Licht
Dann angelegt, gezielt, erschossen
Das Volk hat das Büro geschlossen