Ein Marsch in bleichem Mondenschein
Kann etwas Wunderschönes sein
Wenn welke Blätter auf dem Grund
Zerknistern in die Stille und
Der Atem steht wie tot vor’m Mund
Als wenn das Leben dem Gebein
Entfleucht hinauf zu Mondes Schein
Ein Marsch in bleichem Mondenschein
Kann etwas Wunderschönes sein
Wenn welke Blätter auf dem Grund
Zerknistern in die Stille und
Der Atem steht wie tot vor’m Mund
Als wenn das Leben dem Gebein
Entfleucht hinauf zu Mondes Schein
Schon viele lange Stunden lang
Sitz ich am Deutschbahnsitzplatzhang
Und atme alte Lüfte
Mir schrumpeln Genitalien
Wie ausgetrocknete Dahlien
Im sonnengegerbten Beet
Das Ziel ist fern, der Geist noch mehr
Ich wünsch mir Zuckerwatte her
Und grüne Elefanten
[Fr 23:43]
Hallo, Süße, na, wie geht’s dir?
Ich? Such nur ein bisschen Spaß hier
- Ach, tatsächlich? – Klar doch, Schätzchen
Ich kenn da ein hübsches Plätzchen…
[Sa 00:17]
Fick mich, ohh, du geile Tussi
Gib’s mir, spreiz die süße Pussy
Jaa, mach schneller, weiter, weiter
Setz dich rauf und sei mein Reiter
[Mo 17:02]
Tag auch? Was? Nein, was? – Wie meinen?
Freitag Abend? Hatte keinen -
Ja, so eine süße Schnitte -
Vergewaltigt? Fünfzehn? – Bitte?
Och, mien Deern, has du n Schnupfen?
Potz un Blitz, wat gait dat flott!
Lot mi mo dien Stirn betupfen!
- Och, nu zier di nich, mien Jott!
Ach, du glühst joa, achdujechen!
- Up, mien Deern, nu fix in Bett!
Denn macht Tantchen dir en Teechen
Un du schaus bald wieder nett!
Du Kind einer Hündin! Du hässliche Schlampe!
Du Weibsstück mit Klauen! Du eklige Pampe!
Du dämliche Scheiße! Du spastisches Wichskind!
Du miese Kloake! Du krüppliges Mastrind!
Du blökende Ziege! Du sabbernde Fratze!
Du billige Hure! Du scheißende Bratze!
Du schmutzige Ratte! Du saublöde Kacke!
Du Klon ohne Eltern! Du picklige Backe!
Du dreckige Nutte! Du stinkende Fotze!
Du haariger Affe! Du schleimige Rotze!
Du kranke Gestörte! Du hinkende Wachtel!
Du schlampiges Miststück! Du strunzdumme Schachtel!
Du warzige Hexe! Du struppiger Besen!
Die Lücke zum Parken wär meine gewesen!
Tante Erna in der Küche
Zaubert herrliche Gerüche
Aus den Töpfen und den Pfannen
Und den Schalen und den Kannen
Schaut, die Neffen und die Nichten
Finden sich, entzückt zu sichten
Und schon vorzüglich zu preisen
Tante Ernas Schlemmerspeisen
Drückt die Nasen an die Scheibe!
Schaut das künstlerisch Getreibe!
Lugt mausstill um Tür und Schwelle
Und bestaunt die Ofenstelle!
Denn die Erna kocht Mirakel
Kulinarische Spektakel!
Führt mit jedem Mahl die Ihren
Glückvereint zu Tisch, dinieren
[24. April 2009]
Mexikanische Regionen
Melden erstmals Infektionen.
Man berichtet auch von Toten -
Höchste Obacht sei geboten.
[26. April 2009]
“Schweinegrippe! Tote Leute!”,
Titelt groß die BILD von heute.
“Killervirus!”, heißt es rot,
“Sind wir morgen alle tot?”
[27. April 2009]
Raunen schwebt wie eine Wolke
Über’m ganzen deutschen Volke,
Denn man liest von toten Leichen -
“…wird schon bald auch uns erreichen!”
[29. April 2009]
Hamburg meldet eine Kranke -
In ganz Deutschland ein Gedanke:
Schnell zur Apotheke laufen!
Atemschutz und Medis kaufen!
[1. Mai 2009]
Erste springen nun von Brücken -
“Wenn schon, dann aus freien Stücken!”
- Allgemeine Kopfmechanik:
Vor der Krankheit kommt die Panik.
Sonnabend Morgen am Canale Grande
Still liegt die Dämm’rung auf Acqua und Lande
Erste Reflexe bespringen Paläste
In den Albergos erwachen die Gäste
Und in der Gondel, der schwarzen aus Holze
Liegt Don Alfredo, der dicke und stolze
Fast ob er schliefe, wenn nicht seine Stirne
Ein Loch zeigen würde bis auf das Gehirne
Er bettet das Haupte zudem auf Spaghetti
Als postumen Gruß von Familie Paletti
Und so schippert dieser nun Ex-Mafioso
Venedig hinunter zwar tot, doch grazioso
Neulich vor dem “Schuhhaus Tille”
Sagte mir ein fremder Mann,
Ich sei eine Mistbazille
Und dass ich ihn zünftig kann.
Ich befand mich grad gegangen
Auf dem Weg zu meinem Schatz,
Als der mich so abgefangen
Mit dem ungeheu’ren Satz.
Folglich blieb ich steh’n und fragte,
Was er wolle und was sei,
Worauf dieser Mensch mir sagte,
Mein Gehirn bestünd aus Schei.
Und weil ich ein Zeitgenosse
Bin der Hass nicht toleriert,
Sagte ich “Welch lustig Posse”
Und bin einfach fortmarschiert.
Erstickendes Dunkel umgibt mich
Steht dumpf und verstummt meine Augen
Der Atem presst sich nurmehr schwerlich
Ich fühle es schwarz an mir saugen
Ich glaube wohl bald zu verleben
Denn Leere begehrt mein Zerdrücken
Die Nacht will dem Tode mich geben
Doch dann dreh ich mich auf den Rücken